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Bettagsmandat 2020

Christliche Werte in unserer Gesellschaft stiften Gemeinsinn und Solidarität

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag 2020 ist für mich der erste Bettag mit Schutzkonzept. Was hat das winzige Corona-Virus seit Mitte Februar mit uns nur gemacht? Die Wirtschaft, das öffentliche Leben, auch die Kirchen wurden weitgehend lahmgelegt, viele praktisch in die eigenen vier Wände vennriesen. Dann, Anfang Juni, die ersten vorsichtigen Lockerungen.

Es bleiben Bilder und Momente aus dieser ersten Corona-Zeit haften, gute und schlechte. Gerade am Bettag wird uns bewusst, dass die Aufarbeitung dieser beispiellosen gesellschaftlichen Herausforderung erst noch vor uns liegt. Manfred Papst hat in der NZZam Sonntag dazu treffend geschrieben, dass die Frage, wie Gesundheitsschutz, Wirtschaftsinteressen und Gemeinschaftsleben gegeneinander abzuwägen sind, der Härtetest für unsere sozialethischen Grundsätze sei. Es geht dabei um die ganz grundsätzliche Frage nach dem, was die katholische Soziallehre die ,,kleinen Lebenskreise" nennt: Welche Modelle der Lebensführung sind es, die uns Schutz bieten, aber ohne uns abzukapseln?

Ein Bild des Aufbruchs aus der partiellen lsolation bot der Gottesdienst im Freien der Katholischen Pfarrei in Davos. Sie durfte zur Sonntagsmesse am 19. Juli 2O2O bei prächtigem Wetter unenryartet viele Gläubige begrüssen. Besser geht es nicht. Auch ich habe in diesem Sommer von einigen Proben von Kirchen- und Jodlerchören an lauschigen, schattigen Plätzen in der freien Natur vernommen. Das sind sehr positive Momente, die uns auch in Erinnerung bleiben werden, wenn wir an diesen Corona-Sommer zurückdenken. Das stimmt zuversichtlich!

Die Corona-Pandemie wirft auch ein neues Licht auf die Ungleichheiten in unserer Gesellschaft, die wir so nicht gerne zur Kenntnis nehmen. Der deutsche Soziologe Heinz Bude von der Universität Kassel sagt: ,,Corona leuchtet Ungleichheiten vor allem aus, hat sie aber nicht produziert. Vor allem die individuelle Schutzfähigkeit hängt oft von der sozialen Position ab. Plötzlich definiert sich der Reichtum in einer Gesellschaft auch durch den Zugang zu einem lntensiv-Bett." Um eben diese ,,individuelle Schutzfähigkeit" zu stärken, hat die Baselbieter Regierung die soziale Entwicklung bereits vor dem Ausbruch der Corona-Krise aufmerksam verfolgt und eine Strategie zur,,Verhinderung und Bekämpfung von Armut" formuliert. Seit Juni 2020liegt die Strategie vor; erste Schritte zur Umsetzung von konkreten Massnahmen sind geplant. Sie orientieren sich an den Handlungsfeldern Bildungschancen, Enrverbsintegration, Wohnversorgung, gesellschaftliche Teilhabe und Alltagsbewältigung sowie soziale Existenzsicherung.

Das Pathos der Zivilgesellschaft - dass sich die Dinge am besten in Eigenorganisation regeln - hat sich während der Corona-Krise tatsächlich relativiert. Zwar hat das Corona-Virus erstaunliche Formen des füreinander sorgen und des aufeinander achten ausgelöst. Aber zurecht weist der Soziologe Heinz Bude in diesem Zusammenhang darauf hin, dass da gleichzeitig ein entscheidender Gedanke dazu komme: ,,Es braucht, um füreinander da sein zu können, auch eine gemeinsame Stimme, und das ist die Stimme des Staates. Es wächst das Bedürfnis nach einem Staat, der nicht diktatorisch oder paternalistisch auftritt, sondern den Geist dieser Solidarität bekräftigt."

ln einer Notlage wie der aktuellen sind von einer Regierung Sicherheit und Souveränität gefordert, so Sandro Benini von Tamedia in der Basler Zeitung. Sich mit den richtigen Worten an die gesamte Bevölkerung zu wenden, nicht bloss an die eigenen Anhänger wie im Wahlkampf. Das fördert die Solidarität und schafft Vertrauen. Den Eindruck vermitteln, ar,tar nicht unfehlbar, aber der Rolle des Krisenmanagers sachlich und intellektuell gewachsen zu sein. Das schafft Respekt und Anerkennung. Das lebt unser Bundesrat in diesen Tagen und Wochen vor. Und daran orientiert sich auch der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft mit seinen Entscheiden. Er ist sich dabei bewusst, dass es um viel mehr geht als nur um Lohnausfälle und verlorene Gewinne. Es kann um ganze Existenzen gehen.

Auch die Kirchen stehen für die Förderung des sozialen Engagements für die Geschwächten in unserer Gesellschaft. Und gerade deshalb und heute ist die Akzeptanz der Kirchen nach wie vor gross, auch wenn viele vielleicht seit Jahren keinen Gottesdienst mehr besucht haben. Darin liegt die Erkenntnis, dass die gelebten christlichen Werte in unserer Gesellschaft immer wieder Gemeinsinn und Solidarität stiften, gerade in schwierigen Zeiten wie diesen.

ln diesem Sinne wünsche ich allen Baselbieterinnen und Baselbietern einen erfreulichen Dank-, Buss- und Bettag. Schenken Sie ihren Bekannten und Nachbarn ein Lächeln! Geniessen Sie in den kommenden Wochen die hoffentlich sonnigen Herbsttage und tanken Sie Kraft!

Dr. Anton Lauber, CVP, Regierungspräsident